Kurioses

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Im Herbst des Jahres 1796 wandte sich der Siblinger Pfarrer Balthasar Peyer verzweifelt an den Schaffhauser Amtsbürgermeister. Er berichtete ihm, die Spielsucht in der Gemeinde Siblingen hätte dermassen überhandgewonnen, dass sowohl an Werk- sowie auch an Ruhetagen unaufhörlich gespielt werde. Obwohl die Bürger gewarnt wurden, das Kartenspiel zu lassen, wurde die Spielsucht immer schlimmer. Die aktivsten Spieler meldete der Pfarrer dem Landvogt in Neunkirch, welcher die Spieler zur Verantwortung ziehen sollte. Doch es geschah nichts. Daraufhin orderte der Schaffhauser Rat die aktivsten Spieler nach Schaffhausen. Er warf ihnen vor, gegen das Mandat des Kartenspiels zu verstossen. Sie gaben dies auch einstimmig zu und erzählten, dass sie in jener Nacht ein Glas Wein getrunken und ein Spiel gemacht hätten, welches man Jassen nenne. Etwas anderes könne man ihnen nicht vorwerfen. Der Rat beschloss, sie mit einer “ernsthaften Verwarnung“ freizulassen.

Dieser Beleg aus dem Jahre 1796 dafür, dass der Jass in Siblingen bereits bekannt war, ist bis heute das älteste Zeugnis. Entgegen der Meinung vieler Kartenspieler sei das Jassen keine schweizerische Erfindung, sondern stammte aus den Niederlanden. Ein Indiz dafür ist, dass im Jahre 1793 Werber des holländischen Regiments “Stokar“ unterwegs waren um neue Söldner zu gewinnen. Ausserdem hatten vorher schon verschiedene Siblinger Bürger unter der holländischen Fahne gedient.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts verdrängte der Jass sämtliche Kartenspiele wie Kaisern, Berlang, Boston usw. und wurde schliesslich zum schweizerischen Nationalsport.